Schiffchen & Fahne: Schmetterlingsblüten

Was haben eigentlich Goldregen und Klee gemeinsam? Schließlich ist das eine ein Baum, während das andere eine krautige Pflanze ist. Goldregen blüht in gelben Trauben, Weißklee in weißen Püscheln, wo sind denn da die Gemeinsamkeiten? Ich will es euch verraten: Die Blütenform ist beiden Pflanzen gemeinsam. Sie gehören nämlich beide zur Familie der Schmetterlingsblütler (Fabaceae). Und so will ich euch heute nach den Korbblüten und den Lippenblüten eine weitere Blüte erklären, nämlich die Schmetterlingsblüte.

Fahnen über Schiffchen

Schmetterlingsblüten sind stark dorsiventral gebaut, das bedeutet, ihre Oberseite unterscheidet sich deutlich von ihrer Unterseite.

Die Blüte aller Schmetterlingsblütler wird von 5 zum Teil miteinander verwachsenen Kronenblättern („Blütenblättern“) gebildet. Das hintere (= obere) ist deutlich größer als die anderen und ragt wie ein Segel über den Rest der Blüte hinaus. Das ist die Fahne. Die beiden vorderen (= unteren) Blütenblätter sind gewöhnlich verwachsen und bilden gemeinsam etwas, das wie ein Bootsrumpf mit Kiel aussieht. Das ist das Schiffchen. Die beiden seitlichen Blütenblätter nennt man Flügel. Sie umschließen häufig das Schiffchen von den Seiten, oder sie stehen seitlich neben der Fahne ab (woher dann vermutlich der Name „Schmetterlingsblütler“ stammt).

Das Schiffchen umschließt die Samenanlagen, die ihrerseits von einer Röhre aus 10 miteinander verwachsenen Staubblättern umschlossen wird. Um euch den identischen Aufbau der Blüten deutlich zu machen, habe ich sowohl eine Goldregenblüte, als auch eine kleine Kleeblüte auseinanderpräpariert. Besonders die Kleeblüte war ziemlich fummelig, aber was tut man nicht alles für seine wissbegierige geschätzte Leserschaft!

Schmetterlingsblütler von wirtschaftlicher Bedeutung

Wir haben es bei den Schmetterlingsblütlern mit einer äußerst vielgestaltigen Familie zu tun. Wie weit die Verwandschaft verzweigt ist, erkennt ihr allein schon daran, dass einerseits Bäume wie Goldregen oder die riesigen Robinien dazugehören, andererseits aber auch alle Kleearten. Wenn ihr auf das Goldregenbild schaut, könnt ihr unten links erkennen, welche Früchte sich aus Schmetterlingsblüten entwickeln: Es sind Hülsen, und das bedeutet, dass alle Hülsenfrüchte ebenfalls zur Familie gehören: Erbsen, Bohnen, Lupinen, Sojabohnen und Erdnüsse – alles Hülsenfrüchte, alles Schmetterlingsblütler. Hättet ihr das gewusst? Ihr seht also, es ist eine große Pflanzenfamilie mit hoher wirtschaftlicher Bedeutung.

Ein weiterer Grund für die große Bedeutung dieser Pflanzen ist ihre Fähigkeit, Stickstoff direkt aus der Luft aufzunehmen. Normalerweise nehmen Pflanzen den lebensnotwendigen Stickstoff als Nitrat über die Wurzeln aus dem Boden auf. In normalen Böden ist Stickstoff leicht mal Mangelware und begrenzt das Wachstum der Pflanzen. Schmetterlingsblütler dagegen leben in Symbiose mit sogenannten Knöllchenbakterien, mit deren Hilfe sie Luftstickstoff aufnehmen können. Das ist extrem praktisch, weil in der Luft ja stets genug davon vorhanden ist. So können Schmetterlingsblütler auch noch in extremen Stickstoff-Mangelgebieten wachsen und dort die Bodenqualität verbessern.

Deshalb werden Vertreter der Familie sehr gerne als Gründünger angebaut und dann untergepflügt. Klappt übrigens auch prima in meinem Gemüsebeet. Eine großartige Familie!

Fabaceae, Schmetterlingsblütler
Ginster, Robinie, Glyzinie, Lupine, Saubohne, Zaunwicke (von o. l. im Uhrzeigersinn)

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