Zwei Gesichter der Weidenkätzchen

Da hat man sich für den Frühlingsstrauß schön Weidenzweige mit flaumigen Weidenkätzchen geschnitten, und dann passiert zu Hause in der Vase nichts! Wo sind die pudrigen gelben Püschel, wie man sie mit blühenden Weidenkätzchen verbindet? Wieso bleiben meine Kätzchen klein und grün? War es vielleicht überhaupt keine Weide, von der ich die Zweige geschnitten habe?

Des Rätsels Lösung liegt in der Botanik der Weidengewächse (Gattung Salix), deren Arten nämlich alle eingeschlechtig zweihäusig sind. Das bedeutet, es gibt ganz einfach männliche und weibliche Weiden-Bäume, und die jeweiligen Blüten sehen eben unterschiedlich aus. Bei den Haseln und Erlen neulich, hatten wir den Fall, dass die Blüten zweigeschlechtig einhäusig sind, es also männliche und weibliche Blüten auf dem selben Baum gibt (einhäusig = in einem Haus). Bei den Weiden leben Damen und Herrn nun also ganz getrennt.

Eine Art, 2 Bäume, 2 Gesichter

zweihäusig, Weide, männliche und weibliche Kätzchen
Weidenkätzchen im Längsschnitt

Die gelb fluffigen Püschel, die wir im Kopf haben, wenn wir an Weidenkätzchen denken, sind die männlichen Blüten (oben & u. l.). Frau Weide schmückt sich dagegen mit silbrig grünen Kätzchen. Diese sind zwar auf die Ferne nicht so eindrucksvoll, aber aus der Nähe bezaubern auch sie (u. r.). Vom Aufbau her sind beide Blüten ähnlich, es sind ährenartige Blütenstände mit vielen Einzelblüten. Schaut ihr euch so ein Weidenkätzchen aus der Nähe an, erkennt ihr bei den männlichen Blütenständen die langen gelben Staubgefäße. Die weiblichen Blütenkätzchen werden dagegen von gestielten Fruchtknoten mit zarten Stempeln überragt. Nektar enthalten übrigens beide Blüten, deshalb sind Weiden so wichtige Bienenfutterpflanzen (Bienenweide). Dank ihres silbrigen Fells, das die Blütenkätzchen vor Frost schützt, können sie zu einer Zeit blühen, da ansonsten noch nicht viel los ist auf dem Insektenbuffet… Hummel, Biene & Co fliegen jedenfalls drauf!

 

Weiden gegen Kopfschmerz

Hier noch ein bisschen Hintergrundwissen zur Weide: Wusstet ihr, dass Weiden uralte Heilpflanzen sind? Die Rinde aller Arten enthält als Fraßschutz neben Gerbstoffen auch Salicylsäure, und die wirkt ja bekanntlich schmerzstillend. Früher wurde die Rinde getrocknet und dann als Tee gegen Fieber, Rheuma oder andere Schmerzen verabreicht. In Fachkreisen spricht man heute von „Salicis Cortex“, aber eigentlich heißt das auch nichts anderes als „Weiden-Rinde“. Auf Schlau klingt es allerdings besser, und ich konnte euch noch etwas zum Klugscheißen mitgeben ;-).

2 thoughts on “Zwei Gesichter der Weidenkätzchen”


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