Libellen gefährlich, aber nicht für Menschen

Der Spätsommer ist die Zeit der großen Libellen. Schillernd, rasend schnell und wendig fliegen sie durch meinen Garten. Bisweilen fliegen sie ganz dicht heran, bleiben sogar in der Luft stehen, um dann plötzlich kehrt zu machen und rasant weiterzufliegen. Sie sehen dabei direkt ein bisschen gefährlich aus. Doch dass Libellen gefährlich sind, ist Unsinn. Gefährlich sind sie nur für andere Insekten, denn sie sind hoch angepasste, großartige Jäger der Lüfte. Die Schönheit und die Besonderheit dieser meiner Lieblingstiere will ich euch heute vorstellen.

Wendige Jäger

Dass Libellen gefährlich (für Beute) sind, sieht man eigentlich schon, wenn man diesen schönen Insekten ins Gesicht schaut: Jäger erkennt man im Tierreich immer an den großen Augen, und die nehmen bei den Libellen wahrhaftig viel Platz ein (Foto u. li).
Beobachten wir Libellen, fällt uns auf, dass ihr Flug im Vergleich zu anderen Insekten unglaublich wendig und schnell ist. Das liegt an der speziellen Anatomie der Flugmuskulatur: Normalerweise haben Insekten indirekte Flugmuskeln, d. h. Muskeln ziehen Brust- und Rückenpanzer zusammen und klappen dadurch indirekt die Flügeln hin und her. Libellen haben im Gegensatz dazu direkte Flugmuskulatur. Das bedeutet, die Muskeln setzen an der Flügelbasis an und bewegen den Flügel direkt (was viel schneller geht!). Außerdem haben alle 4 Flügel einen eigenen Flugmuskel und können unabhängig voneinander bewegt werden. Deshalb können Libellen, wie ein Hubschrauber „in der Luft stehen“.

Libellen verbringen ihr Erwachsenenleben vorwiegend im Flug. Deshalb sind ihre Beine nicht zum Herumlaufen gemacht, sondern ebenfalls an das Leben eines Jägers der Lüfte angepasst: Über und über mit Dornen und Borsten besetzt bilden sie einen regelrechten Fangkorb, in dem Beuteinsekten wie in einer Reuse im Flug gefangen werden (Foto o. re.)

Sind Libellen gefährlich?

Nein, Libellen sind nicht gefährlich, es sei denn, du wärst ein Insekt 🙂 Die weiblichen Libellen haben zwar etwas, das aussieht wie ein Stachel, aber das ist der Legebohrer. Der eignet sich nur dazu, Pflanzen anzukratzen, um Eier abzulegen. Es besteht auch nicht die Gefahr, von einer heranfliegenden Libelle versehentlich gerammt zu werden. Als schnelle Flieger können sie bemerkenswert gut sehen und würden unsereinen niemals über-sehen. Also spricht überhaupt nichts dagegen, diese herrlichen Tiere genauer anzuschauen.

Großlibellen und Kleinlibellen

Um diese Jahreszeit nehmen wir in erster Linie Großlibellen wahr.
Sie entfernen sich weiter von den Gewässern als Kleinlibellen, die wir eigentlich nur am Gewässerrand beobachten können. Der Unterschied zwischen beiden liegt zum einen in der Größe. Außerdem unterscheiden sie sich aber auch in der Stellung ihrer Flügel: Kleinlibellen legen ihre 4 Flügel lang über den Hinterleib, während Großlibellen die Flügel immer seitlich ausgestreckt tragen.

Erwachsene Libellen fliegen überall dort, wo es leckere Insektenbeute zu jagen gibt. Zur Eiablage müssen sie dann aber zwingend ans Wasser, weil die Larven absolute Wasserinsekten sind. Libellen gehören zu den Insekten, die mehr Lebenszeit als Larve verbringen denn als Imago (= erwachsenes Insekt). Das führt im Leben jeder Libelle zu einem sehr dramatischen Punkt: Bevor die letzte Häutung zur Imago erfolgt, muss die Larve das Wasser verlassen. Die Libellenlarve atmet mit Hilfe von Kiemen, während das erwachsen Tier Tracheen hat und Luftsauerstoff braucht. Also krabbeln die Larven irgendwann an Pflanzenstängeln oder Blättern aus dem Wasser, bevor die Haut auf dem Rücken im Brustbereich aufplatzt und sich die Imago herauswinden kann.
Zurück bleibt die letzte Larvenhaut (=Exuvie) – sie hängt da wie ein alter, kaputter Mantel.

Tandem und Paarungsrad

Nicht selten sieht man Libellen auch zu zweit im Tandemflug unterwegs. Oder man entdeckt Libellen, die zu einer Art Kreis zusammengeschlossen sind. In diesem Fall ist man Zeuge des einzigartigen und überaus komplizierten Paarungsverhalten von Libellen. Das Problem – wenn man so will – ist die Tatsache, dass der Begattungsapparat der Libellenmännchen komplett woanders sitzt als die Geschlechtsöffnung. Letztere befindet sich am Hinterende, während erstere ganz am Anfang des langen Hinterleibs liegt. Libellenmännchen müssen also zuerst das Begattungsorgan mit Sperma füllen und dann ein Weibchen dazu bringen, sich dort zu bedienen. Komplizierte Geschichte! Damit nichts schiefgeht, greift sich das Libellenmännchen mit speziell geformten Anhängen am Hinterende erst einmal sein Weibchen hinter dessen Kopf. Sie bilden dann ein Tandem. Für die eigentliche Begattung biegt das Weibchen dann seinen Hinterleib nach vorne zum Begattungsorgan des Männchens. In dem Moment bilden sie dann das so genannte Paarungsrad (Foto u.).
Die Eier werden dann entweder ins Wasser fallen gelassen oder an bzw. in Wasserpflanzen-Stängeln befestigt. Auch das kann man oft beobachten.
Total spannende Tiere!

Azurjungfern Paarungsrad
Azurjungfern im Paarungsrad

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