Gewebter Herbst, Netze im Nebel

Wenn in den herbstlich kalten Nächten der Nebel aufsteigt, macht er Kunstwerke für uns sichtbar, die eigentlich im Verborgenen bleiben sollen: Spinnennetze. Ein Spinnennetz im Nebel ist von so großer herbstlicher Schönheit, dass ich euch mitnehmen will, auf einen Waldspaziergang im Nebel, den ich neulich unternommen habe.

Spinnennetz im Nebel

Der Nebel lagerte dicht im Wald. Blätter und Baumstämme waren von Feuchtigkeit und Grau überzogen. Es hätte trübe und düster sein können, aber es war auch eindeutig Herbst:

Der Herbst lachte zwischen den knallroten Brombeerblätter, leuchetete warm im sonnengelb verfärbten Buchenlaub, und er zwinkerte hier und da sogar noch mit Farbtupfern von einzelnen Distel- und Geißblattblüten.

Und überall waren diese Spinnennetze, schwer von Tropfen, filigran nachgezeichnet von diesem alles umlagernden Nebel. War das schön!

Spinnennetz im Nebel, Nebel im Herbstwald
Gewebte Nebelfäden im Herbstwald

Dabei konnte man wunderbar die verschiedenen Sorten von Spinnennetzen erkennen. Es gab natürlich die ordentlichen Radnetze der Kreuzspinnen wie im Bild ganz oben. Gut erkennt man aber auch die Baldachin-Netze z. B. im Ginster in der Kollage links oben: Sie bestehen aus einer dicht gewebten waagerechten Fläche (unter der die Spinne lauert) und einer Vielzahl von senkrechten, kreuz und quer darüber gespannten Fangfäden. Fliegt ein Insekt dort gegen, klebt es nicht fest, sondern es stürzt einfach ab – genau auf das waagerechte „Sprungtuch“ darunter. Die Spinne muss nur einmal durchbeißen…

Natürlich gibt es auch noch die Spinnfäden, die Spinnen unterwegs einfach hinterlassen. So ist die zauberhaft umsponnene Distel rechts oben wohl entstanden.

Die Sonne kämpft sich durch

So langsam veränderte sich dann das Licht. Aus dem Grau wurde Weiß, als die Sonne sich immer weiter durch den Nebel hindurch kämpfte. Jedes Spinnennetz im Nebel wurde noch ein bisschen klarer, als die Tropfen das erste Sonnenlicht auffingen. Zauberhafte Stimmung im Gegenlicht.

Und auf einmal war die Sonne durch. Der Nebel schmolz, die Nässe blitzte hell, das Herbstlaub fing an zu glühen, und die Spinnengewebe traten Stück für Stück wieder zurück ins Vorborgene. Nur dort können sie den Spinnen im Herbstwald letzte Jagderfolge vor dem Winter bescheren. Herbst eben. Gibt es eine schönere Jahreszeit?

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