Wenn das Gras blüht

Nie sind die Wiesen schöner als im Juni. Wenn das Gras blüht und sich die Grashalme im Wind wiegen kann man sich fast vorstellen, eine grüne Wasserfläche vor sich zu haben, die sanfte Wellen schlägt. Da wo sonst grüne Halme und Blätter nebeneinander stehen, enthüllt sich jetzt die ganze Schönheit von blühenden Gräsern. Wer dachte, Gras ist sowieso gleich Gras erfährt in der blühenden Wiese den Zauber der Vielfalt von Grasblüten. Von zart bis robust von Rispe bis Ähre. Kommt mit in die Wiese!

Von süß bis sauer, von Ähre bis Rispe

Grundsätzlich unterscheidet man bei Gräsern zwischen Süßgräsern und Sauergräsern. Die meisten Gräser, die am Wegrand und auf den Wiesen stehen, gehören zu den Süßgräsern. Man erkennt sie daran, dass ihre Stiele durch Knoten unterteilt sind. Ob sie sich geschmacklich unterscheiden, kann ich wohl nicht sagen…

blühende Gräser, Rispe, Ährenrispe, Ähre
Gras blüht als Rispe, Ährenrispe oder Ähre (v.l.n.r.)

Die Blüten von Gräsern sind ganz anders als die bunten Blüten, die wir uns sonst so angeschaut haben: Es gibt keine Blütenblätter, sondern nur Fruchtknoten mit zwei Narben, 3 Staubblättern und verschiedenen Hüllspelzen. All dies ist zusammengefasst in so genannten „Ährchen“ (das sind die kleinen mehr oder minder spindelförmigen Teile einer Grasblüte). Je nachdem, wie die einzelnen Ährchen im Blütenstand zusammengefasst sind, unterscheiden wir zwischen

  • Rispen (die Ährchen sitzen an verzweigten Stielen, li.)
  • Ähren (die Ährchen sitzen direkt an der zentralen Achse, re.)
  • Ährenrispen (die Ährchen sitzen mit kurzen Stielen an der zentralen Achse, Mi.)

Welches Gras blüht wie?

Gräser zu bestimmen, ist wirklich nicht leicht, weil alles so winzig klein ist. Ich will euch heute verschiedene Gräser vorstellen, die ihr zum Teil ganz leicht erkennen könnt, weil es keine Verwechslungsmöglichkeit  gibt. Wem das jetzt doch zu viel Detail ist, der scrollt einfach direkt nach unten zur Zusammenfassung kein Problem 🙂

Fangen wir mal mit den ganz großen Gräsern an, deren Halme gerne mal 1-1,3 m lang werden:

Ganz links seht ihr eine Trespe (Bromus). Sie hat eine große, lockere Rispe, wo ihr die einzelnen breiten Ährchen wunderbar erkennen könnt. In der Mitte seht ihr den Glatthafer (Arrhenatherum elatius), dessen etwas dichtere Rispen im Sonnenlicht rötlich überhaucht glänzen. Rechts steht das unverkennbare Knäuelgras (Dactylis glomerata), einmal in voller Blüte, einmal verblüht. Knäuelgras kennt ihr alle. Es hat eben diese etwas knubbelig zusammenstehenden Ährchenknäuel und wächst fast überall.

Wiesen Knäuelgras, Dactylis glomerata, Glatthafer, blühendes Gras
Trespe, Glatthafer und Knäuelgras

Jetzt kommen wir zu den deutlich kleineren Rispengräsern, die nur 30-60 cm hoch wachsen: Links sind zwei, die sich ähnlich sind und wo ich mir, um ehrlich zu sein, mit der Bestimmung auch nicht 100 % sicher bin. Das Grüne ganz links, müsste eine blühende Rasenschmiele (Deschampsia cespitosa) sein und das Zarte braun-violette daneben ein Wiesenrispengras (Poa pratensis). Aber die Ährchen bei denen sind wirklich so winzig, dass das echt schwer zu sehen ist!

Auf dem rechten Bild ist mit dem Wolligen Honiggras (Holcus lanatus) wieder ein Vertreter, der eindeutig ist. Dieses Gras fällt durch seine graugrüne Farbe auf, die Blüten sind leicht rosa übergossen, und wenn man das Honiggras anfasst, ist es wunderbar und auffallend weich.

Gras blüht, Holcus lanatus, Poa pratensis
Rasenschmiele, Wiesenrispengras, wolliges Honiggras

Ein paar Ähren in Ehren

Zum Schluss zeige ich euch hier noch einige Ährengräser und ein Ährenrispengras. Ganz links seht ihr Mäusegerste (Hordeum murinum). Das kann man sich gut merken, weil sie wirklich aussieht, wie die Gerste auf den Feldern, bloß ist sie viel kleiner, denn sie wird nur 20-25 cm hoch. In der Mitte habe ich zwei ähnliche Gräser fotografiert: Links Englisches Raygras (Lolium perenne). Das findet ihr auch überall, es wird nämlich gerne als Rasen gesäht. Die Ährchen sind abgeflacht und stehen mit der schmalen Seite zur zentralen Achse. Bei der Quecke (Elymus repens) daneben sitzen die Ährchen mit der breiten Seite zur zentralen Achse. Deshalb wirkt die ganze Ähre irgendwie ein bisschen unaufgeräumt, obwohl sie so ähnlich aufgebaut wie die ordentliche Raygrasähre.

Als letztes im Bunde stelle ich euch ganz rechts noch das Lieschgras (Phleum pratense) vor, einmal blühend, einmal verblüht. Wenn ihr es auseinanderzupftet, würdet ihr erkennen, dass die dicht sitzenden Ährchen tatsächlich mit ganz kurzen Stielen an der zentralen Achse sitzen. Demzufolge ist es also ein Ährenrispengras.

Mäusegerste, Hordeum murinum, Raygras, Lolium perenne, blühende Gräser
Mäusegerste, Raygras, Quecke und Lieschgras

Wenn das Gras nun blüht

Ich bin wirklich keine Expertin für Gräser. Mir geht es auch gar nicht darum, euch unbedingt Artenkenntnis dieser ganzen Gräser zu vermitteln. Was ich euch zeigen wollte, ist die Vielfalt und die Schönheit von Gräserblüten. Gras wird oft als „langweilige grüne Halme“ verkannt, die nur gemäht werden müssen. Im Juni zeigt sich nun, was in den Halmen steckt und dass Gras bei weitem nicht gleich Gras ist!

Übrigens habe ich die Gräser nicht etwa auf einer idyllischen, wogenden (Blumen-)Wiese gesammelt, sondern allesamt auf einem ca. 200 m langen Stück an der Landstraße gefunden. Sage mir also keiner „bei uns gibt’s gar keine Wiesen“. Auch an einem Straßenrand könnt ihr euch von der Schönheit der blühenden Gräser faszinieren lassen!

5 thoughts on “Wenn das Gras blüht

  1. Liebe Helene,

    wunderbar, so schöne Bilder!
    Ich hatte heute die Gelegenheit, ein Bündel einer frisch gesensten Wiese unseren Kaninchen mit zu bringen, die waren ganz verrückt danach : ))

    Liebe Grüße

    Elke

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