Flechten, aber keine Zöpfe

Diese bizarren Stachel wachsen auf dem Dach meines Gewächshäuschens, und es sind tatsächlich Flechten! Flechten sind den meisten ja allenfalls geläufig als malerische Krusten auf Felsen und alten Mauern. Aber als Stachel auf dem Dach?! Doch es stimmt: Es handelt sich um Cladonia subulata, die Pfriemen-Geweihflechte.

Flechten sind Doppel-Organismen, die aus dem engen Zusammenleben (Symbiose) von bestimmten Pilzen mit bestimmten einzelligen Algen entstehen. Sowohl Pilz, als auch Alge kommen zwar in der Natur auch einzeln vor, mindestens der Pilz jedoch lebt kümmerlich. Was wieder einmal zeigt, dass Eins und Eins deutlich mehr werden kann als Zwei. In der Lebensgemeinschaft Flechte sind die Aufgaben klar verteilt: Die Alge kümmert sich um die Energie, weil sie ganz gut in Photosynthese ist, während sich der Pilz um die Wasser- und Nährstoffversogung kümmert. Wobei er mineralische Bestandteile gewöhnlich direkt aus dem Staub in der Luft nimmt. Wegen der Sache mit dem Staub können wir Flechten auch als Zeiger für die Luftqualität nutzen, denn wenn die Luft zu viel Müll enthält, gibt’s keine Flechten.

Faszinierende Flechten-Vielfalt

Krusten-, Laub-, Strauchflechten (v.o.n.u.)

Man unterscheidet drei verschiedene Flechtengruppen rein äußerlich nach ihrer Wuchsform: Es gibt Krustenflechten (wie die auf den alten Steinen), Laubflechten, die blattartige Strukturen haben, und Strauchflechten, die dreidimensional wachsen (Bild links). Weitere Unterschiede gibt es dann in den Farben, in der Verzweigung und im Untergrund (manche mögen halt nur Steine, andere bevorzugen Baumrinde). Eine beispielhafte Sammlung von Fotos, die eine Bestimmung erleichtern oder auch einfach nur die Vielfalt vor Augen führen, habe ich beim Bochumer Botanischen Verein gefunden.

Weil ich von der Formenvielfalt so fasziniert war, habe ich ab da meine Augen besonders weit aufgehalten. Es ist unglaublich, wo man überall auf Flechten trifft! Nehmen wir mal den Baumstamm im Bild unten. Ich habe dort 3-4 verschiedene Flechten identifiziert. Der Fachmann, der so freundlich war, ein, zwei Blicke auf das Foto zu werfen, hat allerdings auf einen Schlag sicher 6 Arten erkannt! Besonders gefallen mir die Namen der Flechten: Da ist z.B. die Gelbflechte auf dem Baumstamm (auch Foto unten rechts li.o.). Außerdem wachsen dort zweierlei Blasenflechten, die Glatte Trübschüsselflechte sowie die Bleichgrüne Kuchenflechte – also wenn das nicht klingende Namen sind!

Als nächstes habe ich an der Betonmauer vor dem Haus nach Flechten gesucht – auch fündig geworden (rechtes Foto o.r.)! Ich vermute, sie ist mit dem Gelbgrünen Schönfleck, der Becher Krustenflechte und der Felsen Triebflechte bewachsen, aber ich kann mich täuschen… Und unten ganz rechts? Zwei verschiedene Krustenflechten und – ziemlich alt. Krustenflechten wachsen nämlich höchstens 1-2 mm im Jahr. Aber die Arten konnte ich nicht bestimmen. Vielleicht habt ihr Lust, euer Glück und Auge zu versuchen?

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