Haareis: Frisuren aus Eis

Schaut mal, habt ihr schon mal solches Haareis gesehen? Wenn es jetzt nicht mehr ganz so kalt und vermutlich auch schmuddelig nass wird, werden wir sie mit etwas Glück wieder im Wald finden: Seidige Locken, sorgfältig gescheitelte glänzende Strähnen und leicht verfilzte Kurzhaarfrisuren aus schneeweißem Haar. Diese herrlichen Haarprachten können wir allerdings ausschließlich auf dem Waldboden auf manchen verrottenden Ästen bewundern. Haareis ist ein relativ seltenes Naturphänomen, das noch gar nicht bis ins Detail erforscht ist. Ich erkläre euch, was bekannt ist, finde aber, man kann das Phänomen auch gerne einfach so in seiner filigranen Schönheit bewundern. Die ganzen Fotos hat mir übrigens Klaus zur Verfügung gestellt – vielen Dank dafür!

Die Eisfrisuren bilden sich ausschließich an totem Holz von Laubbäumen. Allerdings nur an solchen Ästen, die mit bestimmten winteraktiven Pilzen bewachsen sind. Für den Laien ist dieser Bewuchs nahezu unsichtbar. Totes Holz wird aber immer in kürzester Zeit von mikroskopisch kleinen Pilzfäden be- und durchwachsen (das ist Teil des Verrottungsprozesses). Dieses so genannte Pilzmyzel sieht man nicht. Unsereins sieht allenfalls die Fruchtkörper der Pilze, die allerdings eher unauffällig bis schleimig eklig aussehen. Haareis gibt es also nur da, wo bestimmte Pilze mit der Zersetzung des Totholzes beschäftigt sind.

Haareis nur in feuchter Luft

Abgesehen von Minusgraden, ist auch hohe Feuchtigkeit unverzichtber für die Bildung von Haareis. Und zwar nicht nur Luftfeuchtigkeit, sondern auch der olle Ast muss durch und durch nass sein. Wenn all diese Bedingungen gegeben sind, und es darüberhinaus rund um den betreffenden Ast auch noch windstill ist, dann ist diese wunderschöne Eisbildung zu beobachten. Wie echte Haare wachsen die aus Eis von unten her aus dem Holz. Bis zu 10 mm in der Stunde! Dabei kommt das  Wasser, aus dem die Haare sind, nicht aus der Luft, sondern aus dem Ast (muss ja, sonst könnte es nicht von unten her wachsen), und das geht so:

Durch die Abbauprozesse des winteraktiven Pilzes wird unter anderem CO2 gebildet, und dieser Gasdruck treibt das Wasser aus den feinen Holzporen, die dem filigranen Haar den Durchmesser mitgeben. Herrschen außen an der Pore Minusgrade, gefriert das Wasser beim Austritt zu Eis, und Millimeter für Millimeter entsteht ein glänzendes, seidiges Haar. Wenn es zu kalt oder trocken ist, funktioniert der Prozess allerdings nicht mehr. Dann verdampft jeder Haaransatz direkt in der kalten Luft.

Wenn ihr es noch genauer wissen möchtet, dann empfehle ich euch dieses wissenschaftliche Paper, in dem interessante Experimente mit Haareis beschrieben sind. Alle anderen genießen einfach Klaus‘ schöne Fotos.

 

Äste mit Haareis-Bildung
Haareis auf Totholz

One thought on “Haareis: Frisuren aus Eis”

  1. Das ist ja schön. Da muss ich in diesem Winter unbedingt mal drauf achten – wo ich doch auch noch ein neues Makroobjektiv habe 😉
    Liebe Grüße
    Silke

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