Imposanter Besuch: Die Hornissenkönigin

Als ich diese Woche abends noch mal in den Garten ging, um Schnecken zu suchen, hatte ich eine eindrucksvolle Begegnung: Mitten in der Fetthenne sah ich die wirklich imposante Gestalt einer Hornissenkönigin! Gefühlt 5 cm lang, gelbbraun mit zurückgelegten dunkelbraunen Flügeln, die den Körper weit überragten. Ein klein wenig furchteinflößend, muss ich zugeben, aber unglaublich faszinierend, weil sie dort einfach nur saß und sich betrachten ließ. Am nächsten Morgen saß sie immer noch da und ermöglichte mir ein großartiges „Fotoshooting mit der Queen“.

Junge Hornissenkönigin frisch aus der Winterruhe

Ich nehme an, dass sie am Fuße meiner Fetthennen irgendwo zwischen den Steinen überwintert hat und just an dem Abend aus ihrem Versteck gekrochen ist. Nur so ist zu erklären, warum sie so phlegmatisch (dabei höchst exponiert) herumhing und sich auch am nächsten Morgen von mir nicht stören ließ. Bei Hornissen überwintern ausschließlich die Königinnen. Nach der Paarung im Herbst verkriechen sie sich in Lücken oder geschützten Ritzen und kommen erst wieder hervor, wenn es wärmer geworden ist. Und das hat ja lange genug gedauert, dieses Jahr! Meine junge Königin hier, wird jetzt dabei sein, einen Staat zu gründen. Sie baut ein Nest, legt Eier und versorgt die ersten Larven komplett selbst. Sobald erste Arbeiterinnen geschlüpft sind, übernehmen sie den Nestbau und die Kinderversorgung. Ab da konzentriert sich ihre Königin – wie bei den Honigbienen – ausschließlich aufs Eierlegen.

Eindrucksvoll aber friedfertig

Hornissenkönigin Größe, Wie groß werden Hornissenköniginnen
Hornissenköniginnen werden auf 3,5 cm lang

Hornissen haben unberechtigterweise einen sehr schlechten Ruf. Deshalb kommt man einer (lebenden) Hornisse selten so nah wie ich hier. Dabei sind Hornissen eigentlich sogar viel friedfertiger als Wespen, mit denen sie eng verwandt sind. Unsere Hornissen (Vespa crabro) gehören mit den oft so nervigen „Wespen“ (Vespula)  zur Unterfamilie Verspina, den sozialen Faltenwespen. Faltenwespen deshalb, weil sie in Ruhe ihre Flügel ordenlich zusammenfalten und nach hinten anlegen (Foto li.)

Hornissen wirken aufgrund ihrer Größe und ihrer Fluggeräusche noch beängstigender auf uns als Wespen und ja, natürlich können sie auch stechen. Aber sie gehen mit ihrem Gift sehr, sehr sparsam um, weil sie es in erster Linie für die Jagd auf Beutetiere benötigen (Honigbienen dagegen zur Verteidigung des Nests). Im Übrigen ist ein Hornissenstich nicht gefährlicher als ein Wespen- oder Bienenstich. Er wird zwar als schmerzhafter empfunden, aber das liegt einfach daran, dass der Stachel größer ist.

Ein tiefer Blick in die Augen

Komplexaugen, Punktaugen, Augen Hornisse
Im Angesicht der Hornisse

Meine junge Hornissenkönigin im Garten erlaubt uns hier noch einen Blick in ihr Gesicht bzw. in ihre zahlreichen Augen: Schön erkennt ihr, die beiden verschiedenen Augensorten. Rechts und links am Kopf sind die großen, nierenförmigen Komplexaugen, die ihr eine gute Rundumsicht erlauben. Da Hornissen Räuber und Jäger sind, können sie auch für Insektenverhältnisse sehr gut sehen. Zusätzlich haben sie noch die 3 gut sichtbaren Punktaugen auf der Stirn. Mit diesen können sie zwar nur Hell-Dunkel wahrnehmen, aber sie sind zusätzlich mit einer Art Gleichgewichtsorgan verbunden, und unterstützen die Navigation beim Fliegen. Wundervoll auch der Blick auf die kräftigen Kiefer, die filigranen Beine und die ordentlichen Fühler. Toll, oder? Ich bin stolz auf dieses Foto (merkt man das? 🙂 )

Hornissen und Wespen haben im Gegensatz zu Bienen übrigens keine Wachsdrüsen und bauen ihre Nester und Waben aus einer Art Papiermaché. Deshalb sieht (und hört!) man sie auch manchmal an Holz herumraspeln; zerkaut und mit Spucke vermischt, ergibt die Mischung das papierähnliche Material für das Nest.

Hornissen stehen unter Naturschutz

Hornissen stehen unter strengem Naturschutz. Sie dürfen nicht getötet und ihre Nester auf keinen Fall zerstört werden! Denkt immer daran, dass Hornissen auch für uns äußerst nützlich sind und viele, viele Brummer vertilgen. Sollte doch einmal ein Nest ganz ungünstig liegen, darf es nur nach Genehmigung durch die Naturschutzbehörden entfernt werden. Gute Ansprechpartner sind in diesem Fall örtliche Naturschutzgruppen (z. B. Nabu).

Meine Hornissenkönigin ist morgens um kurz nach 9 abgeflogen und baut jetzt irgendwo ein Nest. Mich hat sie sehr beeindruckt. Wenn es mir gelungen ist, euch ein bisschen Verständnis und Anerkennung für diese imposanten heimischen Insekten zu vermitteln, lasst es mich gerne wissen. Ich freue mich immer sehr über eure Kommentare!

Noch viel mehr über Hornissen, findet ihr auf dieser Website.

 

Hornisse, Hornissenkönigin, Vespa crabro
Sie sieht alles…

5 thoughts on “Imposanter Besuch: Die Hornissenkönigin”

  1. wirklich tolle Fotos!!!
    Allerdings bin ich vor 2 Jahren von einer Hornisse mehrmals in die Kopfhaut gestochen worden, da sie sich in den Haaren verfangen hatte. Diesen Schmerz über Stunden werde ich nie vergessen…
    Lg

    1. Ja, das glaube ich. Sie sind halt doch größer, und die Kopfhaut ist auch noch so empfindlich… Schön, dass du den Hornissen trotzdem nichts nachträgst, liebe Corinna 🙂

  2. Das ist wirklich sehr beeindruckend und deine Bilder sind fantastisch geworden. Ich finde diese Tiere auch ausgesprochen faszinierend. Aber tatsächlich machen sie beim Fliegen einen ziemlichen Lärm. Das ist dann schon ein bisschen Furcht einflößend.
    Übrigens kommen nur zwei der acht bei uns heimischen Wespen überhaupt an den Kaffeetisch, nämlich die Deutsche und die Gemeine Wespe. Alle anderen interessieren sich nicht für unsere Nahrung.
    Liebe Grüße
    Silke

    1. Vielen Dank, liebe Silke, für deine Ergänzung. Die besagten Wespenarten nerven auch deshalb eher, weil ihre Völker gewöhnlich aus mehreren Tausend Tieren bestehen. Wenn man ein Nest in der Nähe hat, sind halt gleich immer so viele am Tisch. Hornissenvölker haben dagegen nur wenige Hundert Tiere, das verteilt sich. Herzlicher Gruß! Helene.

  3. Super Fotos! Sehr beeindruckend. Da darfst du zurecht ganz stolz sein.
    Lieben Gruß, Sandra

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