Wilde Bienen oder was?

Im Moment herrscht Hochbetrieb im Insektenhotel an meiner Hauswand. Die Wildbienen, die dort ein und aus fliegen, gehören zu einer einzigen frühen Art mit dem schönen Namen „Gehörnte Mauerbiene“ (Osmia cornuta). Ihr erkennt sie an ihrem schwarz glänzenden Kopf, der außer den Fühlern in der Mitte auch noch 2 kleine Hörnchen trägt (Name!), und an ihrem orangerot behaarten Hinterleib.

Wildbienen, aber keine wilden Bienen

Wildbienen sind nicht etwa „wilde Vorfahren“ der bekannten Honigbiene, sondern einfach genau wie diese Vertreter der Insektenordnung „Hautflügler“ (Hymenoptera). Alle Bienen sind reine Vegetarier und ernähren sich ausschließlich von Nektar und Blütenpollen. Unsere Mauerbiene hier gehört zu den größeren Vertretern unter den Wildbienen. Es gibt viele Arten, die erheblich kleiner sind.

Wildbienen, Osmia cornuta
„gehörnte Mauerbiene“ bei der Paarung

Neulich hatte ich das Glück, sogar die Sache mit den „Bienchen und den Blümchen“ beobachten zu können. Deshalb kann ich euch sogar eine männliche Mauerbiene zeigen, die besonders putzig aussieht: Mauerbienenmänner sind nämlich von Anfang an am Kopf weiß behaart (Foto rechts) – sieht total lustig aus, oder?

Im Gegensatz zu Honigbienen, die bekanntlich einen Staat bilden, in dem Arbeitsteilung herrscht, leben Wildbienen als Einzelgänger. Nach der Paarung beginnen die Bienen mit dem Bau von Brutzellen, und da kommt dann mein Insektenhotel ins Spiel. Mauerbienen richten ihre Kinderstuben nämlich in Löchern und Röhren ein, wobei es ihnen egal ist, ob die Löcher in Holz oder in Mauern sind.

Bienenfleißig beim Brutzellen-Bau

Um einen Eindruck vom sprichwörtlichen Bienenfleiß zu bekommen, schauen wir den Mauerbienen mal eine Weile beim Brutzellen-Bau zu: Deutlich erkennt ihr, dass die Bienen auf der Suche nach freien Löchern durchaus auch mal fehl krabbeln: Die zweite Biene kommt eilig wieder heraus, weil die Röhre – Hoppla – schon besetzt ist! Und achtet mal bei 00:26 auf das Loch oben rechts. Diese Biene ist schon fleißig beim Innenausbau der Zelle und wendet mal eben draußen. Ganz deutlich erkennt man danach, wie sie vorne am Mund noch ganz verschmiert ist von dem ganzen verbauten Blütenpollen!

 

Was macht denn nun eine gute Brutzelle bzw. ein tolles Wildbienen-Kinderzimmer aus?

  1. reichlich zu Futtern
  2. Sicherheit vor Feinden

Deshalb sammeln die Bienen zuerst einmal viele, viele Blütenpollen. Sie tragen sie in den Haaren am Hinterleib, der dadurch oft ganz gelb gepudert ist (Fotos unten). Der Pollen wird zusammen mit ein bisschen Nektar tief in das Loch gestopft. Immer schön mit dem dicken Kopf hineingeschoben; erstmal abstreifen, dann stopfen, anschließend wieder los, Nachschub besorgen. Immer hin und her, rein und raus… Reicht der Vorrat für ein Madenkind, kriecht unsere Wildbiene rückwärts ins Loch bis zum Pollenvorrat und platziert dort ein Ei. Danach wird die Zelle mit Lehm verschlossen. Es gibt sogar Röhren, die mit mehreren Brutkammern hintereinander belegt sind. Das Füllen einer Brutzelle dauert an schönen Tagen ungefähr 24 Stunden.

Zwischen den beiden Bildern unten liegt genau ein Tag. Da waren die Bienen in den beiden oberen Röhren wohl ein bisschen schneller, was?

Ohne Wildbienen kein Obst

Wenn ihr sieht, wie viel Pollen diese Wildbienen zusammentragen, dann ahnt ihr, welch wichtige Rolle sie bei der Bestäubung von Pflanzen spielen. Es gibt Untersuchungen, die zeigen, dass gut 500 nistende Mauerbienenweibchen eine 1 ha große Apfelplantage genau so effektiv bestäuben wie 1-2 Honigbienenvölker. Und dabei zählt ein Bienenvolk gewöhnlich mehrere 10.000 Arbeiterinnen!

Osmia cornuta
Fast jedes Loch wird genutzt

Wildbienen sind also wichtige Helfer z.B. für Obstbauern, die allerdings ihrerseits Hilfe brauchen (die Bienen, nicht die Bauern…). In unserer aufgeräumten Natur gibt es ja kaum noch herumliegendes Totholz, das als Nistplatz dienen kann. Deshalb wird jedes Loch genutzt, wie ich erstaunt feststellen musste (Foto links): Nicht nur in dem Loch am Sonnenschirmständer bauen sie Kinderstuben, auch in der herumliegenden Gartenschlauchspitze steckte eine Biene (zum Glück habe ich das rechtzeitig gemerkt, bevor ich den Wasserschlauch wieder  zusammengebaut habe!).

Also mein Appell an alle: hängt Insektenhotels auf!! Man kann sie kaufen, aber auch toll selbermachen. Dafür benötigt ihr eigentlich nur Hartholz (ein Buchen- oder Eichenscheit) und einen Bohrer, und dann kann’s losgehen. Viele Tips und Anregungen findet ihr auf dieser Spezialseite zum Thema. Auf dieser Seite gibt es eine Fülle von Informationen über Wildbienenarten und -schutz. Auch Beispiele dafür, wie man es nicht machen soll. Mein Insektenhotel (es ist gekauft…) ist beispielsweise nur „halb gut“, wie ich erfahren musste ;-). Ein weiterer Vorteil eines Hotels am Haus ist, dass ihr ganz bequem wirklich spannende Naturbeobachtungen machen könnt.

 Können Wildbienen stechen?

Die Antwort lautet „Ja, sie können… – aber warum sollten sie?!“ Der Wehrstachel bei Bienen hat sich aus dem Legestachel entwickelt, deshalb können schon mal nur weibliche Bienen stechen. Keine Angst also, wenn so ein kleiner weißhaariger Bienenmann auf euch Platz nimmt. Der Stachel ist außerdem nur zur Verteidigung gegen andere Insekten gedacht, die ein festes Außenskelett haben. Sticht eine Biene unsereinen, bleibt der Stachelapparat stecken, was die Biene tödlich verletzt. Also sticht sie uns nur in höchster Not, um

a) ihr Nest und damit ihr Volk zu verteidigen oder

b) nicht von einem Fuß o.ä. zerquetscht zu werden.

Bei Wildbienen liegt der Fall anders. Da sie keinen Staat bilden, entfällt die Notwendigkeit ein Nest zu verteidigen. Sticht die Wildbiene einen Menschen und stirbt, kann sie überhaupt keine Nachkommen erzeugen, also versucht sie das noch viel mehr zu vermeiden als staatenbildende Insekten. Sie hat einfach deutlich mehr zu verlieren als eine Honigbiene und sticht deshalb praktisch nie. Das ist Verhaltensökologie!

2 thoughts on “Wilde Bienen oder was?”


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